Zwischen Weihnachtsstern und Silvesterknaller liegt vieles in Pfotenhöhe, das deinem Hund schaden kann. Hier stehen Wirkung, Symptome und die ersten Schritte, mit ehrlichen Angaben dort, wo die Quellenlage dünn ist.

eiligabend, kurz vor der Bescherung. Der Baum leuchtet, auf dem Tisch steht der Stollen, die Schale mit Schokolade und Lebkuchen ist gerade nachgefüllt, und dein Hund liegt erstaunlich brav unter dem Esstisch. Brav ist bei Hunden an Festtagen selten ein gutes Zeichen: Meistens bedeutet es nur, dass er gerade plant.
Die Weihnachtszeit bis Silvester ist voller Dinge, die für uns Genuss sind und für Hunde ein Risiko. Dieser Beitrag geht sie der Reihe nach durch: Pflanzen, Essen, Deko und das Silvesterfeuerwerk. Bei jedem Punkt steht, was es bewirkt, woran du es erkennst und was hilft. Wo die Quellenlage dünn ist, sagen wir das ehrlich.
| Was | Einschätzung |
|---|---|
| Weihnachtsstern | Vorsicht: meist milde Reizung |
| Mistel | Giftig: Magen-Darm, bei viel auch Kreislauf |
| Christrose | Giftig: Magen-Darm, ernstere Verläufe möglich |
| Schokolade | Giftig: Herz und Nervensystem |
| Stollen und Rosinen | Giftig: Nierenschäden |
| Lebkuchen und Muskat | Vorsicht: große Mengen kritisch |
| Alkohol | Giftig: schon kleine Mengen bei kleinen Hunden |
| Xylit | Giftig: Unterzuckerung und Leber |
| Knochen vom Festbraten | Vorsicht: Verletzung und Verstopfung |
| Lametta und Engelshaar | Vorsicht: Fremdkörper im Darm |
| Wunderkerzen | Vorsicht: Verbrennung, Inhaltsstoffe |
| Bleigießen | Vorsicht: Quellenlage dünn |
| Knaller-Reste | Giftig: Chlorate und Metalle |
Giftnotruf. In Deutschland gibt es laut Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) keinen eigenen tierärztlichen Giftnotruf. Die Giftinformationszentren sind primär für Menschen zuständig und beraten je nach Kapazität auch bei Tiervergiftungen. Deine erste Anlaufstelle ist deshalb die Tierarztpraxis oder der Notdienst. Such dir die Nummer des Notdienstes in deiner Nähe schon vor den Feiertagen heraus und speichere sie im Handy, denn am Heiligabend ist keine Zeit zum Suchen.

Weihnachtsstern. Er hat den schlechtesten Ruf und den harmlosesten Verlauf der drei. Die ASPCA führt ihn als giftig für Hunde, nennt aber nur einen reizenden Pflanzensaft, der Mund und Magen reizt und manchmal Erbrechen auslöst, und schreibt, seine Giftigkeit werde gemeinhin überschätzt. Die Behauptung, der Weihnachtsstern sei hochgiftig, ist also überholt. Wenn dein Hund daran geknabbert hat: Mund ausspülen, beobachten und bei Erbrechen, starkem Speicheln oder Unwohlsein in der Praxis anrufen. Eintrag: Weihnachtsstern.
Mistel. Laut ASPCA (amerikanische Art) sind Erbrechen und Durchfall typisch, selten niedriger Blutdruck, Atembeschwerden und eine langsame Herzfrequenz. Die Pet Poison Helpline nennt bei großen Mengen niedrigen Blutdruck mit unsicherem Gang. Die Pet Poison Helpline hält die Giftigkeit der amerikanischen Mistel für übertrieben und die meisten Fälle für zu Hause beherrschbar. Beide Quellen beschreiben die amerikanische Art; zur europäischen Mistel (Viscum album) fanden wir keine geprüfte Aussage. Eine Menge lässt sich bei einem Zweig schwer schätzen. Eine Zahl für eine gefährliche Menge gibt keine der Quellen an. Eintrag: Mistel.
Christrose. Die ASPCA führt die Christrose (Helleborus niger) als giftig für Hunde, nennt unter den Inhaltsstoffen Bufadienolide, Glykoside, Veratrin und Protoanemonin und beschreibt Speicheln, Bauchschmerzen, Durchfall, Koliken und Teilnahmslosigkeit. In der Souldog Giftliste steht sie höher als Weihnachtsstern und Mistel. Stell sie so, dass dein Hund nicht an Blätter, Blüten und Erde kommt, und ruf bei jeder Aufnahme in der Praxis an. Eintrag: Christrose.
Auch die Stechpalme gehört in diese Reihe: Die ASPCA nennt Erbrechen, Durchfall und Teilnahmslosigkeit.
Schokolade. Theobromin und Koffein wirken auf Herz und Nervensystem. Das MSD Veterinary Manual nennt als Orientierung milde Beschwerden (Erbrechen, Durchfall, Durst) ab etwa 20 mg pro Kilogramm Körpergewicht, Herzprobleme ab etwa 40 bis 50 mg/kg und Krampfanfälle ab etwa 60 mg/kg. Erste Zeichen kommen meist nach 6 bis 12 Stunden, schwere Verläufe können bis zu 72 Stunden dauern. Dunkle Schokolade und Kakaopulver sind pro Gramm gefährlicher als Vollmilch. Die Gramm-Tabelle nach Sorte und Hundegewicht steht im Beitrag Halloween mit Hund. Einträge: Schokolade und Kakao.
Stollen und Rosinen. Rosinen und Weintrauben können Nierenschäden bis zum Nierenversagen auslösen. Das MSD vermutet Weinsäure als Auslöser und nennt grob mehr als eine Traube oder Rosine pro 4,5 Kilogramm Körpergewicht als mögliches Risiko; der Gehalt schwankt, eine sichere Menge ist nicht bekannt. Erbrechen und Durchfall kommen meist nach 6 bis 12 Stunden, ein Nierenversagen mit stark verringerter Urinmenge kann nach etwa 24 bis 72 Stunden folgen. Stollen enthält meist Rosinen und oft Butter, Zucker und Alkohol; das MSD nennt Stollen nicht eigens, deshalb ist das eine Ableitung aus dem Rosinenanteil. Einträge: Rosinen-Brot und Stollen und Weintrauben und Rosinen.
Lebkuchen und Gewürze. Muskatnuss enthält Myristicin. Laut Pet Poison Helpline sind Rezeptmengen kaum ernsthaft toxisch, leichte Magenverstimmung ist möglich; große Mengen können Halluzinationen, Desorientierung, Herzrasen und Bluthochdruck auslösen, die Symptome bis etwa 48 Stunden anhalten. Eine Grammzahl nennt die Quelle nicht. Zu Nelken haben wir keine tierärztliche Hauptquelle gefunden. Einträge: Lebkuchen und Spekulatius, Muskatnuss und Gewürznelken.
Alkohol. Glühwein, Punsch, Eierlikör und Feuerzangenbowle sind Ethanol mit Zucker. Das MSD beschreibt Erbrechen, Speicheln, gedämpftes Nervensystem, Unterkühlung, Unterzuckerung und Koordinationsverlust, bei schwerem Verlauf Koma und Atemdepression; der Beginn liegt etwa 30 bis 60 Minuten nach der Aufnahme. Auch ein Schluck Eierlikör vom Boden zählt. Eintrag: Alkohol.
Xylit. Er steckt in zuckerfreiem Kaugummi, Bonbons, Backwaren und Zahnpflege. Laut MSD droht ab etwa 100 mg pro Kilogramm Körpergewicht eine Unterzuckerung, die schon nach etwa 30 Minuten beginnen kann, bei manchen Produkten erst nach 12 bis 18 Stunden. Ab etwa 500 mg/kg können Leberschäden entstehen, die sich oft erst nach 24 bis 48 Stunden zeigen. Backwaren sind nur ein Risiko, wenn sie mit Xylit gesüßt sind; die Zutatenliste verrät es. Eintrag: Xylit.
Marzipan. Zu Marzipan beim Hund haben wir keine tierärztliche Hauptquelle gefunden. Das Risiko liegt eher bei Zucker, Fett, Alkohol in Pralinen und möglichem Xylit. Bittermandelanteile in Marzipan sind klein; der Eintrag erklärt es: Marzipan.
Knochen und Fett vom Festbraten. Die ASPCA warnt, dass fettige, süße und scharfe Speisen sowie Geflügelknochen gefährlich sein können. Das MSD beschreibt Knochen als langsam verdaulich; sie können den Darm verlegen. Müll und große Mengen Essensreste gelten laut MSD als häufiger Risikofaktor für eine Bauchspeicheldrüsenentzündung, mit Erbrechen, Appetitlosigkeit und Bauchschmerz; fettiges Essen nennt das MSD an dieser Stelle nicht eigens. Zu Gänse- und Entenknochen im Speziellen haben wir keine eigene Quelle gefunden. Einträge: Hühnerknochen, gekocht und Fettreiche Essensreste und Bratenfett.
Zwiebeln. Bratensoße, Rotkohl und Beilagen enthalten oft Zwiebeln. Laut MSD können sie rote Blutkörperchen schädigen, Beschwerden zeigen sich nach etwa 15 bis 30 Gramm roher Zwiebel pro Kilogramm Körpergewicht und oft erst nach Tagen. Eintrag: Zwiebeln.
Lametta und Engelshaar. Beides sind dünne Fäden. Das MSD beschreibt lineare Fremdkörper wie Fäden: Ein Ende kann festhängen, der Rest wandert in den Darm und kann ihn schädigen. Das MSD schreibt, dass solche Fäden bei Katzen viel häufiger vorkommen als bei Hunden; bei Hunden sind sie möglich. Am Faden, der aus dem Maul hängt, ziehst du nie. Die ASPCA nennt für verschlucktes Lametta schweres Erbrechen, Darmverschluss, Austrocknung und Operationen; ihr Abschnitt richtet sich vor allem an Katzen. Für Engelshaar fanden wir keine Quelle, die eine Glasfaser-Wirkung oder Hautreizung beim Hund belegt, nur Warnungen vor Faden-Fremdkörpern. Warnzeichen sind Erbrechen, Appetitlosigkeit und Bauchschmerz. Eine Menge, die gefährlich ist, nennt keine Quelle.
Baumschmuck, Wasser und Kabel. Scherben zerbrechlicher Kugeln verletzen laut ASPCA Maul und Verdauungstrakt. Baumwasser kann Bakterien enthalten und Übelkeit, Durchfall oder Magenverstimmung auslösen; deck es ab. Ein Kabel kann einen lebensgefährlichen Stromschlag auslösen, und Kerzen brennen nie unbeaufsichtigt. Knopfzellen in Lichterketten und Spielzeug sind ein Notfall, auch ohne Symptome: Knopfzelle.
Wunderkerzen. Die Pet Poison Helpline listet Sparkler beim Feuerwerk. Kontakt mit frisch gezündetem Feuerwerk kann Pfoten, Lippen, Nase und Maul verbrennen. Wer Reste frisst, riskiert Magen-Darm-Beschwerden und, je nach Inhaltsstoffen, Schäden an Niere, Leber und Knochenmark sowie Krampfanfälle. Kühle Verbrennungen und ruf die Praxis an.
Bleigießen. Hier ist die Quellenlage dünn. Seit 2018 gelten in der EU strengere Bleigrenzen, wobei die Quellen unterschiedliche Grenzwerte nennen, deshalb nennen wir keine Zahl; die klassischen Sets bestehen heute meist aus Zinn oder Wachs. Ob Zinn oder Wachs für Hunde giftig ist, fanden wir nicht belegt. Blei selbst ist für Hunde giftig. Wir empfehlen vorsichtshalber, dass dein Hund dem Gießwasser, den Figuren und Metallresten nicht zu nahe kommt, und im Zweifel die Praxis anzurufen.
Knaller-Reste. Den besten Überblick liefert Today's Veterinary Practice (Means, 2016, mit der ASPCA-Toxikologie): Feuerwerk enthält Nitrate, Chlorate, Schwefel, Aluminium und Metalle, verbrauchte Show-Reste können Barium enthalten. Chlorate reizen den Magen-Darm-Trakt und können rote Blutkörperchen schädigen, Barium einen starken Kaliummangel mit Herzrhythmusstörungen auslösen. Ätzende Salze können Geschwüre in Maul und Speiseröhre verursachen, die erst nach 12 Stunden oder später sichtbar werden. Die Erholung dauert meist 24 bis 72 Stunden, Verbrennungen heilen über 10 bis 14 Tage. Eine Mengenangabe für die Giftigkeit nennt die Quelle nicht. Räum deshalb früh am Neujahrsmorgen den Gehweg und die Runde ab, bevor dein Hund sie beschnuppert.
Für die Angst vor dem Knall selbst liefert der Beitrag Angst vor Feuerwerk beim Hund das Training, und den Ablauf der Silvesternacht beschreibt Hund an Silvester.
Fahr oder ruf sofort, wenn dein Hund zittert oder Krämpfe hat, taumelt, auffällig apathisch ist, anhaltend erbricht, Blut erbricht oder im Kot hat, einen harten, schmerzhaften Bauch zeigt, kaum Urin absetzt, Atemnot hat oder sich nach Feuerwerk Maul und Pfoten verbrannt hat. Bei Schokolade, Xylit, Rosinen und Zwiebeln gilt: Anrufen, bevor etwas passiert.
Am Ende ist ein sicheres Fest vor allem Vorbereitung: Süßes und Stollen außer Reichweite, Pflanzen und Kabel unerreichbar, Knochen in den Müll mit Deckel, die Nummer des Notdienstes im Handy. Dann kannst du den Abend genießen, und dein Hund ist beim Auspacken das, was er sein soll: dabei.
In der Souldog App findest du die Giftliste mit mehr als 200 Einträgen, darunter Schokolade, Xylit, Rosinen und die Weihnachtspflanzen, jeweils mit Symptomen und einer Einschätzung, wann es ein Notfall ist. Einen Überblick über Vorsorge und Sicherheit gibt dir außerdem unser großer Gesundheits-Ratgeber.