🌿 Pflanze · Gefahr sehr hoch

Ist Tollkirsche giftig für Hunde?

sehr hoch
Verdacht auf Vergiftung? Rufe sofort deinen Tierarzt, die nächste Tierklinik oder den tierärztlichen Notdienst an, auch nachts.
Was es ist & warum es gefährlich ist

Die Tollkirsche (Atropa belladonna) ist in Mittel- und Südeuropa auf Waldlichtungen und Kahlschlägen heimisch und gehört wie Engelstrompete und Stechapfel zu den Nachtschattengewächsen mit Tropanalkaloiden. Die Hauptwirkstoffe Atropin und Scopolamin blockieren als Anticholinergika die Wirkung von Acetylcholin im vegetativen Nervensystem, was Speichel-, Schweiß- und Verdauungssekretion drosselt und gleichzeitig Herzfrequenz und zentrale Erregung steigert. Besonders tückisch ist, dass die schwarzglänzenden, kirschgroßen Beeren süßlich schmecken, weshalb Hunde sie im Gegensatz zu vielen anderen Giftpflanzen freiwillig und in größerer Menge fressen. Für einen mittelgroßen Hund gelten bereits wenige Beeren als potenziell lebensgefährlich, wobei die individuelle Empfindlichkeit stark schwankt und die genaue Schwelle nicht sicher zu beziffern ist.

Symptome einer Vergiftung

Die ersten Anzeichen treten meist innerhalb einer Stunde auf, stark erweiterte Pupillen, auffallend trockene Schleimhäute und beschleunigter Herzschlag. Betroffene Hunde wirken zunehmend unruhig und desorientiert, mitunter mit Lautäußerungen oder ungerichteten Bewegungen, die auf Halluzinationen hindeuten können. Im weiteren Verlauf können generalisierte Krämpfe auftreten, gefolgt von einer zunehmenden Lähmung der Atemmuskulatur. Unbehandelt kann der Tod durch Atemlähmung eintreten, weshalb bei Verdacht auf Beerenaufnahme im Wald umgehend ein Tierarzt aufgesucht werden sollte, auch wenn der Hund zunächst noch aktiv wirkt.

🚨 Was hilft im Notfall

Sofort Notfall-Tierarzt! Physostigmin als Gegengift verfügbar. Aktivkohle innerhalb der ersten Stunde. Beeren/Pflanze zur Bestimmung mitnehmen.

Vorkommen in Deutschland

Mittel- und Südeuropa heimisch. In Deutschland auf Waldlichtungen, Kahlschlägen, an Waldwegen, besonders in Mittelgebirgen (Harz, Schwarzwald, Bayerischer Wald) und im Alpenvorland. Bevorzugt kalkhaltige Böden.

Saison: Sommer–Herbst (Jul–Sep, Beeren)

← Zur kompletten Giftliste für Hunde (251 Einträge)

Diese Angaben dienen der Orientierung und ersetzen keine tierärztliche Beratung. Im Zweifel immer den Tierarzt kontaktieren.