🌿 Pflanze · Gefahr sehr hoch
Der Rote Fingerhut (Digitalis purpurea) ist eine in West- und Mitteleuropa heimische, zweijährige Pflanze, die auch als Zierpflanze in Bauerngärten kultiviert wird. Alle Pflanzenteile, am stärksten Blätter und Stängel, enthalten mehr als 100 herzwirksame Steroidglykoside, von denen Digitoxin und Digoxin die bekanntesten sind. Diese Stoffe hemmen wie Oleandrin die Natrium-Kalium-ATPase der Herzmuskelzellen, wodurch die Kontraktionskraft des Herzens zunächst zunimmt, während gleichzeitig die Erregungsleitung gestört wird und gefährliche Rhythmusstörungen entstehen. Schon wenige getrocknete Blätter gelten für einen mittelgroßen Hund als potenziell tödlich, wobei die genaue kritische Menge individuell schwankt und in der Literatur uneinheitlich beziffert wird.
Die ersten Anzeichen sind meist Übelkeit und Erbrechen, gefolgt von Durchfall, während sich am Herzen zunehmend Rhythmusstörungen und ein verlangsamter, unregelmäßiger Puls entwickeln. Betroffene Hunde können zusätzlich Sehstörungen, Verwirrtheit und Desorientierung zeigen, da die Glykoside auch das Nervensystem beeinflussen. Im weiteren Verlauf verschlechtert sich der Kreislauf zunehmend, es kann zu Schwäche, Kollaps und letztlich zum Herzstillstand kommen. Weil die Wirkung erst zeitversetzt ihren Höhepunkt erreicht, sollte bei jedem Verdacht auf Aufnahme sofort ein Tierarzt aufgesucht werden, auch wenn der Hund zunächst noch munter wirkt.
Sofort Notfall-Tierarzt! Herzüberwachung (EKG) ist zwingend nötig. Aktivkohle innerhalb der ersten Stunde. Prognose bei schneller Behandlung gut.
West- und Mitteleuropa heimisch. In Deutschland auf Waldlichtungen, Kahlschlägen und in Mittelgebirgen (Harz, Schwarzwald, Eifel). Auch häufig als Zierpflanze in Bauerngärten und naturnahen Gärten kultiviert.
Saison: Sommer (Jun–Aug)
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Diese Angaben dienen der Orientierung und ersetzen keine tierärztliche Beratung. Im Zweifel immer den Tierarzt kontaktieren.