💊 Medikament · Gefahr hoch
Loperamid ist ein synthetisches Opioid-Derivat, das in der Humanmedizin rezeptfrei als Durchfallmittel verkauft wird und die Darmbewegung verlangsamt, indem es an Opioid-Rezeptoren in der Darmwand bindet. Beim Menschen überwindet der Wirkstoff die Blut-Hirn-Schranke praktisch nicht, weil das Transportprotein P-Glykoprotein ihn aktiv aus dem Gehirn heraustransportiert, sodass keine zentralen Opioidwirkungen auftreten. Bei Hunden mit dem MDR1-Gendefekt (siehe eigener Eintrag) fehlt dieser Schutzmechanismus ganz oder teilweise, sodass Loperamid ungehindert ins Gehirn gelangt und dort klassische Opioidsymptome wie ausgeprägte Sedierung und Atemdepression auslösen kann, nach tierärztlichen Quellen teils schon bei den auch beim Hund sonst üblichen Behandlungsdosen von etwa 0,08 Milligramm pro Kilogramm. Wichtig ist zudem, dass auch Hunde ohne MDR1-Defekt bei Überdosierung oder individueller Empfindlichkeit reagieren können, mit Nebenwirkungen von ausgeprägter Sedierung über Verstopfung und Blähungen bis hin zu, in seltenen Fällen, einer Bauchspeicheldrüsenentzündung. Da der MDR1-Status ohne Gentest nicht bekannt ist und Durchfall beim Hund viele, teils ernste Ursachen haben kann, gehört er grundsätzlich tierärztlich abgeklärt statt in Eigenregie mit einem Humanarzneimittel behandelt.
Bei empfindlichen Hunden setzen erste Anzeichen oft schon innerhalb von 30 Minuten bis zwei Stunden nach der Aufnahme ein, in der Regel spätestens nach 6 Stunden: vermehrter Speichelfluss, Unruhe oder Hecheln sowie ein unsicherer, wackeliger Gang. Im weiteren Verlauf kann sich eine ausgeprägte Sedierung mit Schwäche der Hinterhand, verlangsamter Atmung und niedriger Körpertemperatur entwickeln, in schweren Fällen bis hin zu Bewusstlosigkeit und Atemstillstand. Bei Hunden ohne MDR1-Defekt zeigen sich bei einer Überdosierung meist mildere Symptome wie Verstopfung, Blähungen oder Mattigkeit, die dennoch tierärztlich beurteilt werden sollten.
Tierarzt aufsuchen, auch wenn der Hund noch unauffällig wirkt, insbesondere bei unbekanntem MDR1-Status oder einer betroffenen Rasse. Für die Opioidwirkung stehen dem Tierarzt gezielte Gegenmaßnahmen zur Verfügung. Erbrechen nur auf ausdrückliche tierärztliche Anweisung, Durchfall beim Hund grundsätzlich tierärztlich statt in Eigenregie mit einem Humanarzneimittel behandeln lassen.
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Diese Angaben dienen der Orientierung und ersetzen keine tierärztliche Beratung. Im Zweifel immer den Tierarzt kontaktieren.