💊 Medikament · Gefahr hoch
Ivermectin gehört zusammen mit Selamectin, Moxidectin und Milbemycinoxim zur Wirkstoffgruppe der makrozyklischen Laktone, die in Wurmkuren, Spot-on-Präparaten und der Herzwurmprophylaxe für Hunde eingesetzt werden, aber in weit höherer Konzentration auch in Entwurmungspasten für Pferde, Rinder und Schafe stecken. Der Wirkstoff lähmt bei Parasiten Nerven und Muskeln, weil er bestimmte Chloridkanäle öffnet; beim Hund hält normalerweise das P-Glykoprotein, ein Transportprotein an der Blut-Hirn-Schranke, den Wirkstoff vom Gehirn fern, sodass die für Hunde zugelassenen Dosen breit sicher sind. Bei Hunden mit dem MDR1-Gendefekt (siehe eigener Eintrag) funktioniert dieses Transportprotein nicht, wodurch der Wirkstoff ungehindert ins Gehirn eindringt und schon in einer für gesunde Hunde harmlosen Menge schwere neurologische Symptome auslösen kann. Nach veterinärpharmakologischen Quellen liegt die Schwelle für erste Vergiftungssymptome bei genetisch empfindlichen Hunden bei etwa 0,1 Milligramm pro Kilogramm, bei gesunden Hunden meist erst deutlich über 2 Milligramm pro Kilogramm; zum Vergleich, die zugelassene monatliche Herzwurmprophylaxe ist mit rund 0,006 Milligramm pro Kilogramm so niedrig dosiert, dass sie auch von den meisten empfindlichen Hunden vertragen wird, während die nur unter tierärztlicher Aufsicht eingesetzten Dosen zur Räudebehandlung von 0,3 bis 0,6 Milligramm pro Kilogramm pro Tag für genetisch empfindliche Hunde bereits weit über der kritischen Schwelle liegen. Für Halter zählt vor allem, dass korrekt dosierte, für Hunde zugelassene Wurmkuren in aller Regel unproblematisch sind und die eigentliche Gefahr entsteht, wenn ein Hund Zugang zu hochkonzentrierten Präparaten für Pferde, Rinder oder Schafe bekommt, etwa im Stall oder über den Kot kürzlich entwurmter Tiere, weil diese Produkte ein Vielfaches der für Hunde vorgesehenen Wirkstoffmenge enthalten.
Erste Anzeichen treten meist innerhalb von 4 bis 12 Stunden nach der Aufnahme auf, in Einzelfällen auch erst bis zu 24 Stunden verzögert: erweiterte Pupillen, vermehrter Speichelfluss, Orientierungslosigkeit und ein unsicherer, wackeliger Gang. Im weiteren Verlauf verschlechtert sich das Bild häufig mit Muskelzittern, scheinbarer Erblindung, verlangsamtem Herzschlag und blassen Schleimhäuten. In schweren Fällen kommt es zu Krampfanfällen, Atemdepression und Koma bis hin zum Tod, insbesondere ohne rechtzeitige tierärztliche Behandlung.
Sofort Tierarzt aufsuchen, auch bei vermuteter kleiner Menge oder Kontakt zu Pferde- oder Rinderentwurmungsmitteln, nach Möglichkeit mit Verpackung oder Wirkstoffangabe des Präparats. Ein spezifisches Gegenmittel gibt es nicht, die Behandlung erfolgt unterstützend mit Infusionen und Kreislaufüberwachung. Erbrechen nur auf ausdrückliche tierärztliche Anweisung.
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Diese Angaben dienen der Orientierung und ersetzen keine tierärztliche Beratung. Im Zweifel immer den Tierarzt kontaktieren.