🧪 Stoff · Gefahr hoch
Unter „Pestizide“ fallen sehr unterschiedliche Wirkstoffgruppen: Insektizide auf Basis von Organophosphaten oder Carbamaten sowie manche Unkrautvernichter (Herbizide). Organophosphate und Carbamate hemmen das Enzym Acetylcholinesterase, wodurch sich der Botenstoff Acetylcholin an den Nervenzellen anhäuft und Muskeln sowie Drüsen dauerhaft überstimuliert werden; Organophosphate binden dabei meist unumkehrbar, Carbamate lösen sich mit der Zeit wieder vom Enzym. Klassische Herbizide auf Glyphosat-Basis hemmen dieses Enzym dagegen nicht und wirken beim Hund überwiegend als Magen-Darm-Reizstoff, sind also in aller Regel deutlich weniger gefährlich als organophosphathaltige Insektizide. Da handelsübliche Produkte je nach Wirkstoff völlig unterschiedlich giftig sind und die genaue Zusammensetzung oft nicht auf den ersten Blick erkennbar ist, sollte bei jedem Verdacht die Originalverpackung mitgebracht werden, damit der Wirkstoff eindeutig identifiziert werden kann.
Bei Organophosphaten und Carbamaten setzen die Symptome meist innerhalb von Minuten bis wenigen Stunden ein, da diese Substanzen sehr schnell die Acetylcholinesterase blockieren. Typisch sind zunächst starker Speichelfluss, verengte Pupillen, häufiges Urinieren, Erbrechen und Durchfall, gefolgt von Muskelzittern und Muskelzuckungen (Faszikulationen). Im weiteren Verlauf können sich eine ausgeprägte Schwäche, eine erschwerte Atmung durch verengte Bronchien und schließlich generalisierte Krämpfe entwickeln; unbehandelt kann die Vergiftung durch Atemlähmung tödlich enden. Herbizide ohne Wirkung auf die Acetylcholinesterase verursachen meist ein deutlich milderes Bild mit Erbrechen, Durchfall und Reizungen der Schleimhäute, in seltenen Fällen bei sehr hohen Dosen jedoch auch Zittern und Krämpfe.
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Diese Angaben dienen der Orientierung und ersetzen keine tierärztliche Beratung. Im Zweifel immer den Tierarzt kontaktieren.