🐛 Tier · Gefahr sehr hoch
Der Kiefernprozessionsspinner ist ein naher Verwandter des Eichenprozessionsspinners und ebenfalls ein Nachtfalter, dessen Raupen an Kiefern leben und ab einem bestimmten Larvenstadium giftige Brennhaare mit dem Nesselgift Thaumetopoein tragen. Anders als beim Eichenprozessionsspinner treten die Raupen in Deutschland vor allem im zeitigen Frühjahr auf, während die Art im Mittelmeerraum, wo sie ursprünglich heimisch ist, deutlich verbreiteter ist. In Deutschland kommt sie bislang überwiegend in wärmebegünstigten Regionen Süddeutschlands vor, breitet sich aber im Zuge des Klimawandels weiter aus, sodass mit zunehmenden Vorkommen zu rechnen ist. Der Wirkmechanismus entspricht dem des Eichenprozessionsspinners: Die Haare durchdringen mechanisch die Schleimhaut und lösen dort eine Entzündungsreaktion aus, die bei anhaltender Schwellung zu Durchblutungsstörungen und Gewebeuntergang führen kann. Da die Art in Deutschland noch seltener auftritt, ist die Zahl dokumentierter Fälle bei Hunden geringer als beim Eichenprozessionsspinner, das Risiko im Einzelfall aber vergleichbar hoch.
Der Kontakt mit den Brennhaaren verursacht, meist nach dem Beschnuppern oder Anknabbern eines Gespinstnests am Boden oder am Baum, eine rasch einsetzende Schwellung von Zunge, Lippen und Maulschleimhaut sowie starkes Speicheln. Der Hund zeigt Schmerzen beim Fressen oder Schlucken, reibt sich das Maul, kann würgen und wirkt zunehmend unruhig oder apathisch. Bei anhaltender Schwellung wird wie beim Eichenprozessionsspinner die Durchblutung des Zungengewebes unterbrochen, wodurch sich innerhalb von Stunden bis Tagen Nekrosen mit Gewebeverlust entwickeln können. Zusätzlich kann es zu Atemnot kommen, wenn Haare eingeatmet werden oder die Schwellung im Rachen die Atemwege einengt, sowie zu Hautreizungen bei Kontakt mit dem Fell. Weil die Art in Deutschland noch relativ selten vorkommt, wird der Kontakt oft erst spät erkannt, weshalb bei entsprechenden Symptomen nach einem Waldspaziergang im zeitigen Frühjahr an diese Ursache gedacht und umgehend ein Tierarzt aufgesucht werden sollte.
Sofort Notfall-Tierarzt! Zunge kann absterben.
Mittelmeerraum; in D noch selten, aber zunehmend in Süddeutschland (Rheinebene, Pfalz)
Saison: Frühling (Feb–Mai)
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Diese Angaben dienen der Orientierung und ersetzen keine tierärztliche Beratung. Im Zweifel immer den Tierarzt kontaktieren.