Karten-Tricks, Apps mit Filtern und der Blick vor Ort: so wird aus der ewig gleichen Runde wieder ein Spaziergang, auf den sich dein Hund freut.

onntag, halb neun. Du stehst an der Haustür, die Leine in der Hand, und dein Hund läuft schon Richtung Ecke, an der ihr seit drei Jahren jeden Morgen links abbiegt. Er kennt jeden Laternenpfahl. Du kennst jedes Schlagloch. Irgendwer von euch beiden langweilt sich, und vermutlich bist es du.
Eine neue Gassirunde findest du, indem du die Karte auf dem Handy anders liest (Satellitenbild für Waldränder, Bäche und Feldwege), Tourenapps mit Filter für hundefreundliche Wege nutzt und Hundemenschen aus der Nachbarschaft nach ihren Lieblingswegen fragst. Ob die Runde zu deinem Hund passt, zeigt der erste Testlauf an der Leine.
Gute Runden gibt es fast überall, nur liegen sie selten auf dem Weg, den du ohnehin gehst. Mit ein paar Kniffen spürst du sie auf, und ein prüfender Blick verrät dir, ob sie zu deinem Hund passen.

Eine neue Gassirunde in deiner Nähe findest du am besten mit drei Quellen: einer Karte in Satellitenansicht, einer Touren- oder Hunde-App und den Tipps anderer Hundehalter. Keine Quelle ist vollständig. Zusammen zeigen sie dir oft Wege, an denen du jahrelang vorbeigelaufen bist.
Fang mit dem Bild von oben an. In Google Maps oder einer anderen Kartenapp schaltest du auf Satellit und zoomst einen Kilometer um deine Wohnung herum ab. Plötzlich tauchen Dinge auf, die auf der Straßenkarte nur grau sind: ein Wäldchen hinter dem Gewerbegebiet, ein Graben mit Weg daneben, ein Feldweg, der zwei Siedlungen verbindet. Helle Linien zwischen Feldern sind oft Wirtschaftswege. Ein Bachlauf mit Baumreihe verspricht Schatten.
Einen Hundefilter für Wege hat Google Maps in Deutschland nach unserem Stand nicht. Für konkrete Orte helfen Suchbegriffe wie "Park", "Wald", "Hundewiese" oder "Hundeauslauf". OpenStreetMap ist bei Feld- und Waldwegen oft genauer, und manche Wege tragen dort sogar eine Angabe, ob Hunde erlaubt, verboten oder nur angeleint erlaubt sind. Verlass dich darauf nicht, denn die Angabe fehlt bei den meisten Wegen.
| Suchweg | Das hilft dir | Der Haken |
|---|---|---|
| Kartenapp in Satellitenansicht | Wälder, Feldwege, Ufer und Grünzüge in deiner Umgebung auf einen Blick | Kein Hundefilter, keine Infos zu Leinenpflicht oder Schutzgebiet |
| OpenStreetMap | Feine Wegnetze, teils mit Angabe zu Hunden | Angaben zu Hunden sind lückenhaft |
| Outdooractive | Filter für hundefreundliche Touren, Höhenprofil, Beschreibung | Viele Touren sind länger als eine Alltagsrunde |
| AllTrails | Filter für hundefreundliche Wege, Bewertungen anderer | Wie die Einstufung entsteht, ist nicht dokumentiert; zur Leine sagt sie nichts |
| komoot | Zeigt Wegtypen und Untergrund der geplanten Runde, gut für empfindliche Pfoten | Einen eigenen Hundefilter haben wir dort nicht gefunden |
| Hunde-Apps mit Ortskarte | Parks, Wälder und Hundewiesen als eigene Kategorien in deiner Nähe | Ein Eintrag ersetzt nicht die Regeln vor Ort |
| Hundehalter im Viertel | Kennen ruhige Zeiten, Abkürzungen und die Ecke mit dem Rehwild | Du musst sie erst ansprechen |
In Souldog zeigt dir die Entdecken-Karte hundefreundliche Orte in deiner Nähe, und du kannst die Auswahl nach Kategorien eingrenzen, etwa auf Parks und Wälder oder Hundewiesen. Die Ortssuche ist kostenlos, und im Browser kannst du vorab das Verzeichnis hundefreundlicher Orte durchsuchen.
Ein kleiner Trick zum Schluss: Plane die neue Runde als Schleife und nicht als Hin und Zurück. Derselbe Weg in der Gegenrichtung ist für die Nase deines Hundes zwar ein bisschen neu, für dich aber nicht.
Mit Hund spazieren gehen kannst du in der Nähe fast überall, wo es Wege gibt: im Wald, an Ufern von Bächen, Flüssen und Seen, auf Feldwegen und in Parks. Was erlaubt ist, entscheiden Land, Gemeinde und Eigentümer; in Parks und Grünanlagen gilt häufig Leinenpflicht, in Schutzgebieten oft ein Wegegebot.
Jeder Wegtyp hat seinen eigenen Charakter, und jeder hat einen Haken.
Waldwege sind im Sommer die erste Wahl. Der Boden ist weich, die Bäume spenden Schatten, und die Nase deines Hundes hat dort am meisten zu lesen. Gleichzeitig lebt im Wald das Wild, und das macht ihn zur heikelsten Umgebung für Hunde mit Jagdtrieb.
An Uferwegen gibt es Wasser zum Trinken und Abkühlen. Nicht jedes Gewässer ist dafür geeignet (siehe Blaualgen weiter unten), und an vielen Badestellen sind Hunde nicht erlaubt.
Feldwege haben einen großen Vorteil: Du siehst weit. Begegnungen kündigen sich früh an, und reaktive Hunde haben Platz zum Ausweichen. Im Spätsommer stehen dort allerdings Grannen, und im Frühjahr brüten auf manchen Feldern Bodenbrüter wie die Feldlerche.
Parks sind praktisch für die schnelle Runde. Dafür ist dort mehr los, und in vielen Grünanlagen gilt Leinenpflicht.
Eine Sonderform ist der Hundewald. In Schleswig-Holstein, wo im Wald sonst Leinenpflicht gilt, weisen die Landesforsten eigene Hundewälder aus, in denen Hunde frei laufen dürfen. In Berlin gibt es Hundeauslaufgebiete in den Wäldern, etwa im Grunewald; frei laufen darf dein Hund dort nur, wenn er in Rufweite bleibt und abrufbar ist. Ob es so etwas bei dir gibt, verrät die Seite der Landesforsten oder der Stadt. Wenn du eine eingezäunte Fläche zum Toben suchst, ist der Ratgeber zum Hundewiese finden die bessere Adresse.
Für einige Großstädte haben wir Parks und Wälder mit Hund schon gesammelt, zum Beispiel in Hamburg, München und Leipzig.

Eine gute Gassirunde passt zu Alter, Kondition und Charakter deines Hundes: Die Länge überfordert ihn nicht, der Untergrund schont die Pfoten, es gibt Schatten und im Sommer Wasser, und die Zahl der Begegnungen ist für ihn gut auszuhalten. Wild, Weidetiere und Straßen in der Nähe machen eine Runde anspruchsvoller.
Eine feste Länge gibt es nicht. Die Tierschutz-Hundeverordnung verlangt "ausreichend Auslauf im Freien" und sagt, dass Auslauf an Rasse, Alter und Gesundheitszustand anzupassen ist. Eine Minutenzahl steht dort nicht. Der Rest ist Beobachtung: Kommt dein Hund zufrieden müde nach Hause, oder schleppt er sich die letzten hundert Meter?
| Merkmal | Warum es zählt | Besonders wichtig für |
|---|---|---|
| Länge und Abkürzungen | Du kannst abbrechen, ohne den ganzen Weg zurückzugehen | Welpen, Senioren, Hunde nach einer Erkrankung |
| Untergrund | Weicher Waldboden schont Gelenke, heißer Asphalt kann Pfoten verbrennen | Alle Hunde im Sommer, ältere Hunde |
| Schatten | Hitzschlag passiert oft bei Bewegung, nicht nur im Auto | Kurzköpfige Rassen, schwere und ältere Hunde |
| Wasser | Trinken und Abkühlen unterwegs | Alle Hunde an warmen Tagen |
| Begegnungsdichte | Breite Wege und gute Sicht entspannen Begegnungen | Ängstliche und reaktive Hunde |
| Wild und Weidetiere | Ein Hetzversuch kann für Wild und Hund gefährlich enden | Hunde mit Jagdtrieb |
| Straßen und Radwege | Ein Schreckmoment reicht für einen Unfall | Junge Hunde, Hunde mit unsicherem Rückruf |
| Sauberkeit | Müll und Essensreste ziehen Hunde an | Hunde, die alles fressen |
Zum Asphalt gibt es eine einfache Faustregel: Leg deinen Handrücken sieben Sekunden auf den Boden. Ist es dir zu heiß, ist es auch für die Pfoten zu heiß.
Kurzköpfige Hunde wie Mops oder Französische Bulldogge bekommen häufiger einen Hitzschlag als Hunde mit längerer Schnauze, weil Hecheln bei ihnen schlechter kühlt. Im Sommer gehört ihre Runde deshalb in den Schatten und in die frühen Morgenstunden.
Und für die Begegnungen: Geh die neue Runde einmal zu der Uhrzeit, zu der du sie später gehen willst. Um sieben Uhr morgens ist der Uferweg ein anderer Ort als am Samstagnachmittag.
Ob dein Hund an die Leine muss, regelt in Deutschland jedes Bundesland selbst, dazu kommen Satzungen der Gemeinden und Verordnungen für Schutzgebiete. In Brandenburg, Mecklenburg-Vorpommern, Schleswig-Holstein und Thüringen gilt im Wald das ganze Jahr Leinenpflicht. In Niedersachsen, Bremen und Sachsen-Anhalt ist die Leine in der Brut- und Setzzeit vorgeschrieben.
Den Wald darfst du nach dem Bundeswaldgesetz zur Erholung betreten, die Einzelheiten regeln die Länder. Was dein Hund dort darf, steht deshalb in den Wald-, Jagd- und Hundegesetzen der Länder, und die unterscheiden sich deutlich. Die Brut- und Setzzeit, also die Monate, in denen Wildtiere ihre Jungen bekommen und aufziehen, spielt dabei in einigen Ländern eine eigene Rolle.
| Bundesland | Leine im Wald oder in der Landschaft | Wann |
|---|---|---|
| Brandenburg | Pflicht im Wald | Ganzjährig |
| Mecklenburg-Vorpommern | Pflicht im Wald | Ganzjährig |
| Schleswig-Holstein | Pflicht im Wald, Hunde nur auf Waldwegen | Ganzjährig |
| Thüringen | Pflicht im Wald für Hunde, die nicht zur Jagd eingesetzt werden | Ganzjährig |
| Berlin | Pflicht im Wald außerhalb der ausgewiesenen Hundeauslaufgebiete | Ganzjährig |
| Niedersachsen | Pflicht in Wald und freier Landschaft | 1. April bis 15. Juli |
| Bremen | Pflicht außerhalb des bebauten Stadtgebiets | 15. März bis 15. Juli |
| Sachsen-Anhalt | Pflicht in der freien Landschaft | 1. März bis 15. Juli |
| Nordrhein-Westfalen | Pflicht abseits der Waldwege; auf den Wegen keine landesweite Pflicht, in der Brut- und Setzzeit empfohlen | Abseits der Wege ganzjährig |
| Bayern, Baden-Württemberg, Hessen, Sachsen | Keine landesweite Pflicht gefunden; Kommunen, Behörden und Schutzgebiete können die Leine anordnen | Örtlich verschieden |
Für Hamburg und Rheinland-Pfalz haben wir keine landesweite Waldregel sicher belegen können. Im Saarland gibt es nach Angaben des Umweltministeriums keine Leinenpflicht im Wald, es empfiehlt die Leine aber von März bis Juli. Überall gilt: Schilder vor Ort, Gemeinde oder Forstamt haben das letzte Wort, und Gesetze ändern sich.
In Naturschutzgebieten legt die jeweilige Schutzgebietsverordnung fest, was gilt. Oft heißt das: auf den Wegen bleiben und den Hund anleinen, häufig das ganze Jahr. In Nationalparks regeln eigene Gesetze oder Verordnungen den Umgang mit Hunden, und meist ist er dort deutlich eingeschränkt. Wo ein Schutzgebiet beginnt, steht in der Regel ein Schild am Wegrand.
Und dann ist da noch das Wild. Zum Jagdschutz gehört nach dem Bundesjagdgesetz auch der Schutz des Wildes vor wildernden Hunden; was Jäger in so einem Fall dürfen, regeln die Landesjagdgesetze sehr unterschiedlich. Für dich zählt die einfache Konsequenz: Wer seinen Hund nicht sicher abrufen kann, lässt ihn im Wald an der Leine.
Auf einer neuen Runde kennst du die Gefahren noch nicht. Achte deshalb besonders auf Giftköder und Essensreste, suche deinen Hund nach Zecken ab, halte bei Jagdtrieb die Leine oder Schleppleine kurz genug, sei in der Dämmerung aufmerksam für Wild und lass deinen Hund nicht aus grünlich trüben Gewässern trinken.
Zu Hause bleiben musst du deshalb nicht. Die erste Runde auf einem unbekannten Weg gehst du aber besser an der Leine.
Im Herbst und Winter wird es früh dunkel, und der schöne Waldweg sieht um fünf Uhr nachmittags plötzlich ganz anders aus. Ein Leuchthalsband für den Hund und Reflektoren oder eine Lampe für dich machen euch sichtbar.
Andere Hundemenschen für gemeinsame Runden findest du über die Nachbarschaft, die Hundeschule, lokale Gassi-Treffs und Hunde-Apps, in denen du Hunde aus deiner Umgebung kennenlernst. Wer seine Gegend seit Jahren abläuft, kennt die schönsten Wege, und meistens erzählt er gern davon.
Die besten Runden stehen in keiner App. Sie stecken in den Köpfen der Leute, die du jeden Morgen am Ende der Straße triffst. Ein "Wo geht ihr eigentlich immer lang?" reicht oft schon, und am nächsten Tag geht ihr zu zweit. Gemeinsame Runden haben noch einen Vorteil: Für Hunde, die sich vertragen, ist ein bekannter Begleiter oft entspannter als die volle Hundewiese.
In Souldog kannst du ein Gassi-Treffen planen: Hundemenschen in deiner Umgebung bekommen eine Einladung, sagen zu und stimmen sich im Gruppenchat ab. Über Schnüffeln lernst du außerdem andere Hunde und ihre Menschen in der Nähe kennen. Ob daraus eine feste Gassirunde wird, entscheidet ihr selbst. Die App gibt es für iPhone im App Store und bei Google Play.
Für Hunde, die Begegnungen schwerfallen, ist allein unterwegs völlig in Ordnung. Eine ruhige Runde, auf der dein Hund in Ruhe schnüffeln darf, macht oft müder als eine Stunde Toben. Mehr dazu im Beitrag zum Schnüffelspaziergang. Und wenn aus der Hunderunde einmal eine Tagestour werden soll, hilft der Ratgeber Wandern mit Hund.
Manchmal liegt die schönste Runde zwei Straßen weiter, und man ist nur nie hingegangen. Nimm dir fürs nächste Wochenende einen Weg vor, den ihr beide noch nicht kennt, und lass deinen Hund das Tempo bestimmen. Er wird den Unterschied merken, spätestens an der ersten neuen Laterne.