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Leishmaniose beim Hund: Risiko, Symptome und Schutz auf Reisen

Ein Mückenstich im Urlaub, und Jahre später wird der Hund krank. Leishmaniose ist tückisch, weil sie so lange unsichtbar bleibt. Hier liest du, wie sie übertragen wird, woran du sie erkennst und wie du deinen Hund auf Reisen zuverlässig schützt.

Hund liegt entspannt an einem Mittelmeerstrand in der Abendsonne
Foto von SlimMars 13 auf Pexels
HUNDEGESUNDHEIT

Es ist ein lauer Abend am Mittelmeer, ihr sitzt nach einem langen Strandtag vor der Ferienwohnung, und in der Dämmerung schwirrt eine kaum sichtbare Mücke um deinen Hund. Ein winziger Stich, kaum der Rede wert, denkst du. Und tatsächlich passiert erst einmal nichts. Das ist das Tückische an der Leishmaniose: Der Stich, der sie überträgt, bleibt meist unbemerkt, und die Krankheit kann erst Monate oder Jahre später ausbrechen, wenn kaum noch jemand an den Urlaub denkt.

eishmaniose ist die bekannteste der sogenannten Mittelmeerkrankheiten und ein Thema, das mit jeder Reisesaison und jedem geretteten Auslandshund wichtiger wird. Wie die Krankheit übertragen wird, warum sie so lange schlummert, woran du sie erkennst und wie du deinen Hund wirklich schützt, gehen wir jetzt in Ruhe durch.

Leishmaniose beim Hund: das Wichtigste in 30 Sekunden

Wenn du gerade wenig Zeit hast, hier das Allerwichtigste vorweg. Leishmaniose wird durch den Stich winziger Sandmücken übertragen, die vor allem im Mittelmeerraum und in der Dämmerung aktiv sind. Der Erreger ist ein einzelliger Parasit. Über bloßes Schmusen oder Lecken steckt dein Hund weder dich noch andere Hunde an, dafür braucht es in aller Regel den Stich einer Sandmücke.

Die Erkrankung ist nicht vollständig heilbar, lässt sich aber mit früher Diagnose gut kontrollieren, sodass betroffene Hunde ein gutes Leben führen. Der wichtigste Hebel ist die Vorbeugung: Wer mit dem Hund in den Süden reist, schützt ihn mit einem Repellent gegen Sandmücken, hält ihn in der Dämmerung möglichst drinnen und lässt Auslandshunde nach einigen Monaten testen.

Was Leishmaniose ist

Hinter der Leishmaniose steckt ein winziger Parasit namens Leishmania infantum. Übertragen wird er nicht von der gewöhnlichen Stechmücke, sondern von der Sandmücke, auch Schmetterlingsmücke genannt. Diese kleinen, unscheinbaren Insekten sind vor allem in der Dämmerung und nachts aktiv und stechen zwischen etwa Mai und Oktober. Sticht eine infizierte Sandmücke einen Hund, gibt sie den Parasiten weiter, der sich dann im Körper ausbreitet. Nur in seltenen, einzeln dokumentierten Ausnahmefällen kann sich ein Hund auch ohne Mückenstich anstecken, etwa über Bissverletzungen, den Deckakt, eine Bluttransfusion oder von der Mutterhündin auf die Welpen.

Ein wichtiger Punkt gleich vorweg, weil er vielen Sorgen macht: Dein Hund kann dich nicht durch Schmusen, Lecken oder gemeinsames Wohnen anstecken. Leishmaniose ist zwar grundsätzlich auch für Menschen relevant, eine Übertragung läuft aber ganz überwiegend über den Umweg einer Sandmücke. Eine direkte Ansteckung vom Hund ohne Mücke hält das Robert Koch-Institut nur in seltenen Fällen für denkbar, etwa wenn ein erkrankter Hund eine Person verletzt, und das Risiko dafür gilt als sehr gering. Kinder und Menschen mit geschwächtem Immunsystem sollten laut RKI vorsichtshalber engen Kontakt zu einem erkrankten Hund meiden.

Nahaufnahme einer Mücke, stellvertretend für die Sandmücke als Überträger der Leishmaniose

Wo das Risiko am größten ist

Kurz gesagt: Das Hauptrisiko liegt im Mittelmeerraum, also in Ländern wie Spanien, Portugal, Süd-Frankreich, Italien, Griechenland, auf dem Balkan und in der Türkei. In diesen Endemiegebieten sind je nach Region viele Hunde infiziert. In Deutschland ist Leishmaniose bislang überwiegend eine Reise- und Importkrankheit.

Die klassischen Risikogebiete sind die beliebten Urlaubsländer rund ums Mittelmeer. Je nach Region trägt dort ein spürbarer Teil der Hunde den Erreger in sich, in einzelnen Hochrisikogebieten sogar mehr als die Hälfte. Wichtig zur Einordnung: Nicht jeder infizierte Hund wird auch krank. Man geht davon aus, dass nur etwa jeder zehnte infizierte Hund tatsächlich Symptome entwickelt, die anderen tragen den Erreger unbemerkt in sich.

Und wie sieht es in Deutschland aus? Hier ist Leishmaniose bislang vor allem eine eingeschleppte Krankheit, sei es durch Hunde, die aus dem Urlaub zurückkommen, oder durch Tierschutzhunde aus dem Süden. Einzelne Fälle, bei denen sich ein Hund nachweislich in Deutschland angesteckt hat, sind zwar dokumentiert, aber bislang echte Ausnahmen und keine flächendeckende Verbreitung. Klar ist aber auch: Mit den wärmeren Sommern wandert der Lebensraum der Sandmücke langsam nach Norden, weshalb Fachleute die Entwicklung aufmerksam beobachten.

Neu seit 2026

Leishmaniose ist beim Hund meldepflichtig geworden. Seit März 2026 gilt in Deutschland eine tierseuchenrechtliche Meldepflicht für Leishmaniose beim Hund. Melden müssen aber die Tierärztinnen und Labore an die Behörden, nicht du als Halter. Für dich ändert sich im Alltag nichts, es gibt keine Formulare und keine Quarantäne. Die Meldung dient allein dazu, die Ausbreitung besser im Blick zu behalten.

Die Symptome erkennen

Kurz gesagt: Typisch sind Hautveränderungen wie Schuppen, haarlose Stellen rund um Augen, Ohren und Nase und schlecht heilende Wunden. Dazu kommen oft Gewichtsverlust, Mattigkeit, geschwollene Lymphknoten, auffällig lange Krallen und Nasenbluten. Weil die Symptome erst Monate bis Jahre nach der Reise auftreten, wird der Zusammenhang oft übersehen.

Leishmaniose ist ein Chamäleon, weil sie viele Organe betreffen kann und sich sehr unterschiedlich zeigt. Am häufigsten sind die Haut und das Fell betroffen. Über acht von zehn erkrankten Hunden entwickeln Hautveränderungen: trockene Schuppen, kahle Stellen besonders im Gesicht rund um Augen und Ohren, an der Nase, dazu Geschwüre und Wunden, die schlecht heilen.

Dazu kommen häufig allgemeine Zeichen, die leicht fehlgedeutet werden. Der Hund verliert an Gewicht, wirkt matt und weniger belastbar, die Lymphknoten schwellen an. Ein sehr typisches, oft übersehenes Zeichen sind übermäßig lange, brüchige Krallen. Auch wiederkehrendes Nasenbluten und Augenentzündungen gehören ins Bild. Am gefährlichsten sind die schleichenden Nierenschäden, denn ein Nierenversagen ist die häufigste Todesursache bei fortgeschrittener Erkrankung.

Das Heimtückische bleibt der Zeitfaktor. Zwischen dem Stich und den ersten Symptomen können Monate, manchmal sogar Jahre liegen. Wenn dein Hund also lange nach einem Süd-Urlaub oder nach der Adoption aus dem Ausland solche Zeichen entwickelt, denk an die Möglichkeit einer Leishmaniose und sprich sie beim Tierarzt aktiv an.

Diagnose und Behandlung

Der Verdacht lässt sich mit einer Blutuntersuchung abklären, die nach Antikörpern oder direkt nach dem Erreger sucht. Ein wichtiger Punkt zum Timing: Direkt nach einer möglichen Ansteckung ist ein Test wenig sinnvoll, weil der Körper noch keine nachweisbaren Antikörper gebildet hat. Aussagekräftig wird ein Antikörpertest frühestens sechs bis acht Wochen nach der möglichen Ansteckung, bei Hunden aus dem Ausland empfiehlt sich zusätzlich eine Kontrolle nach drei bis sechs Monaten. Und selbst ein negatives Ergebnis schließt eine Infektion wegen der langen Inkubationszeit nicht mit letzter Sicherheit aus.

Bei der Behandlung ist Ehrlichkeit wichtig: Leishmaniose ist nicht im Sinne einer vollständigen Heilung besiegbar. Der Parasit lässt sich in aller Regel nicht komplett aus dem Körper entfernen, der Hund bleibt Träger, und Rückfälle sind möglich. Die gute Nachricht ist aber, dass sich die Erkrankung mit Medikamenten meist gut kontrollieren lässt. Viele Hunde führen unter einer konsequenten, oft lebenslangen Therapie ein gutes und stabiles Leben. Je früher die Diagnose gelingt, also bevor Organe wie die Nieren Schaden nehmen, desto besser die Aussichten. Die passende Behandlung stellt immer die Tierärztin zusammen.

So schützt du deinen Hund

Kurz gesagt: Der beste Schutz ist, die Sandmücke gar nicht erst stechen zu lassen. Ein Repellent mit Wirkstoffen wie Permethrin oder Deltamethrin als Spot-on oder Halsband hält die Mücken ab. Ergänzend hältst du deinen Hund in der Dämmerung möglichst drinnen und nutzt Moskitonetze. Eine Impfung gibt es zusätzlich, sie ersetzt den Mückenschutz aber nicht.

Weil es gegen Leishmaniose keinen perfekten Schutz gibt, setzt gute Vorbeugung genau dort an, wo die Übertragung beginnt: beim Stich. So gehst du vor, wenn eine Reise in den Süden ansteht:

1
Repellent gegen Sandmücken auftragenEin Präparat mit Permethrin oder Deltamethrin als Spot-on oder Halsband hält Sandmücken ab. Rechtzeitig vor der Abreise anwenden, damit der Schutz greift, und über die ganze Reise aufrechterhalten.
2
In der Dämmerung drinnen bleibenSandmücken sind vor allem in der Dämmerung und nachts unterwegs. Verbring diese Zeit mit deinem Hund möglichst im Haus.
3
Moskitonetze nutzenFeinmaschige Netze an Fenstern und am Schlafplatz halten die kleinen Mücken zusätzlich fern.
4
Impfung mit der Tierärztin besprechenEine Leishmaniose-Impfung kann den Schutz ergänzen, bietet aber keinen vollständigen Schutz und ersetzt den Mückenschutz nicht. Ob sie für deinen Hund sinnvoll ist, klärst du in der Praxis.
5
Auslandshunde testen lassenKommt dein Hund aus einem Risikogebiet oder war lange im Süden, lass ihn nach einigen Monaten auf Leishmaniose und andere Mittelmeerkrankheiten testen.
Wichtig bei Katzen im Haushalt

Permethrin ist für Katzen hochgiftig. Präparate mit Permethrin sind für Hunde in der zugelassenen Anwendung sicher, für Katzen aber lebensgefährlich. Lebt eine Katze mit im Haushalt, darf sie niemals ein Hunde-Permethrinpräparat bekommen, und der Kontakt zu einem frisch behandelten Hund ist zu vermeiden. Sprich die Auswahl im Zweifel mit der Tierärztin ab.

Die weiteren Mittelmeerkrankheiten kurz erklärt

Leishmaniose ist die bekannteste, aber nicht die einzige Reisekrankheit. Wer mit dem Hund in den Süden fährt oder einen Auslandshund aufnimmt, sollte auch diese kennen:

  • Ehrlichiose wird von Zecken übertragen und befällt die weißen Blutkörperchen, oft mit chronischem Verlauf und Blutungsneigung.
  • Babesiose kommt ebenfalls von Zecken und zerstört die roten Blutkörperchen, was zu schwerer Blutarmut führen kann. Anders als die Leishmaniose ist sie über eine bereits heimische Zecke auch in Teilen Deutschlands vertreten.
  • Herzwurm wird von Stechmücken übertragen, die Würmer siedeln sich in Herz und Lungengefäßen an.
  • Hepatozoonose ist ein Sonderfall, denn hier steckt sich der Hund nicht durch den Stich an, sondern indem er eine infizierte Zecke verschluckt.

Der gute Nebeneffekt: Ein konsequenter Zecken- und Mückenschutz auf Reisen deckt gleich mehrere dieser Krankheiten mit ab.

Häufige Fragen

Wie wird Leishmaniose beim Hund übertragen?
Ganz überwiegend durch den Stich infizierter Sandmücken, die vor allem im Mittelmeerraum und in der Dämmerung aktiv sind. Durch bloßen Kontakt wie Schmusen oder Lecken wird die Krankheit nicht übertragen. Nur in seltenen Ausnahmefällen, etwa über Bissverletzungen, den Deckakt, eine Bluttransfusion oder von der Mutter auf die Welpen, ist eine Ansteckung ohne Mücke möglich.
Ist Leishmaniose beim Hund heilbar?
Nicht im Sinne einer vollständigen Heilung. Der Parasit lässt sich meist nicht komplett aus dem Körper entfernen, und Rückfälle sind möglich. Mit früher Diagnose und einer oft lebenslangen Behandlung lässt sich die Erkrankung aber gut kontrollieren, und viele Hunde leben damit gut.
Kann mein Hund mich mit Leishmaniose anstecken?
In aller Regel nicht. Durch Streicheln, Lecken oder gemeinsames Wohnen steckt dich dein Hund nicht an. Eine direkte Übertragung ohne Mücke hält das Robert Koch-Institut nur für denkbar, wenn ein erkrankter Hund eine Person verletzt, und stuft das Risiko als sehr gering ein. Kinder und immungeschwächte Personen sollten engen Kontakt zu einem erkrankten Hund aber vorsichtshalber meiden.
Wann sollte ich einen Auslandshund testen lassen?
Wegen der langen Inkubationszeit ist ein Test meist erst einige Monate nach Ankunft aussagekräftig, in der Regel nach vier bis sechs Monaten. Ein früher negativer Test kann trügen. Bei anhaltendem Verdacht oder passenden Symptomen wird der Test wiederholt und die Organwerte werden kontrolliert.
Was bedeutet die Meldepflicht seit 2026 für mich?
Für dich als Halter praktisch nichts. Die seit März 2026 geltende Meldepflicht ist tierseuchenrechtlich und betrifft nur Tierärzte und Labore, die einen Fall an die Behörden melden. Es gibt keine Formulare für dich, keine Quarantäne und keine Nachteile für deinen Hund. Der Zweck ist allein eine bessere Übersicht über die Ausbreitung.

Gut vorbereitet in den Süden

Leishmaniose klingt nach einem großen, düsteren Thema, und man sollte sie ernst nehmen. Aber du hast jetzt das Wichtigste beisammen: Du weißt, dass die Sandmücke der Überträger ist, dass dein Hund dich nicht direkt anstecken kann, woran du die Krankheit erkennst und wie du mit Repellent, klugem Timing und einem Test bei Auslandshunden das Risiko klein hältst. Der beste Schutz bleibt, die Mücke gar nicht erst stechen zu lassen.

Wenn du ohnehin eine Reise planst, lohnt sich der Blick in unseren Ratgeber, wie du mit dem Hund durch Europa reist, inklusive Impfungen und Papieren. Einen Überblick über alle Sommerthemen gibt unser großer Ratgeber, wie du deinen Hund im Sommer schützt. Und wenn du magst, hilft dir Souldog dabei, Vorsorge und Termine nicht aus dem Blick zu verlieren. Damit der Urlaub für euch beide unbeschwert bleibt.