Badeseen, Staubwege, Zecken und ein Fell im Dauerwechsel: Der Sommer stellt eigene Ansprüche an die Pflege. Hier findest du die Routine, mit der Fell, Ohren, Pfoten und Haut gut durch die warme Jahreszeit kommen, inklusive der Fünf-Schritte-Pflege nach dem Seetag.

Der Sommer mit Hund riecht nach Sonnencreme, Badesee und, seien wir ehrlich, nach nassem Hund im Kofferraum. Es ist die schönste Jahreszeit, um draußen unterwegs zu sein, und gleichzeitig die Saison, in der das Fell büschelweise fliegt, die Ohren nach jedem Schwimmen feucht sind und in jedem Grashalm eine Zecke lauern könnte.
ber die großen Sommergefahren wie Hitzschlag und heiße Autos haben wir an anderer Stelle geschrieben. Hier geht es um das andere, das Alltägliche: die Pflege-Routine, die deinen Hund durch die warmen Monate begleitet. Was am Fell wirklich hilft, warum Trocknen wichtiger ist als gedacht, und wie aus fünf Handgriffen nach dem Seetag eine Gewohnheit wird.
Sommerpflege heißt vor allem: lose Unterwolle regelmäßig auskämmen, bevor sie verfilzt, denn nur ein unverfilztes Fell kann seine isolierende Schutzfunktion erfüllen. Nach dem Baden in See, Meer oder Pool wird der Hund mit klarem Wasser abgespült und gründlich getrocknet, sonst wird das feuchte Fell zur Brutstätte für Hautentzündungen.
Dazu kommen drei kurze Checks, die sich am besten mit dem Bürsten verbinden lassen: Ohren nach dem Schwimmen, Pfoten nach dem Spaziergang, Zecken täglich. Klingt nach viel, dauert eingespielt aber nur wenige Minuten. Die komplette Routine als Schrittfolge findest du weiter unten.
Viele Hunde mit Doppelfell werfen im Frühjahr und Frühsommer beeindruckende Mengen Unterwolle ab. Wer einen Schäferhund, Golden Retriever oder Husky durch den Mai gebürstet hat, weiß: Aus einem Hund lassen sich in dieser Zeit gefühlt zwei weitere Hunde gewinnen.
Dieses Auskämmen ist mehr als Wohnungshygiene. Das lose, abgestorbene Unterhaar bleibt sonst im Fell hängen und verfilzt dort mit der Zeit. Und Verfilzung ist im Sommer doppelt ungünstig: Sie staut Wärme am Körper und blockiert genau die Isolationsschicht, die deinen Hund auch gegen Hitze schützt. Ein gepflegtes, durchlässiges Doppelfell arbeitet nämlich in beide Richtungen, es hält im Winter warm und im Sommer die Backofenluft von der Haut fern.
Wichtig zur Einordnung: Die Bürste ersetzt nicht die Schermaschine, sie macht sie bei den meisten Hunden überflüssig. Warum die Sommerschur bei Doppelfell-Rassen meist mehr schadet als hilft, liest du ausführlich in unserem Ratgeber zum Scheren im Sommer. Fürs Auskämmen selbst reichen zwei Werkzeuge: eine Unterwollharke oder ein grober Kamm für die Tiefe, eine Zupfbürste für den Feinschliff. Während des Fellwechsels darf das gern jeden zweiten Tag passieren, danach genügt je nach Fell ein wöchentlicher Durchgang.
Zwei Sonderfälle: Locken- und Doodle-Fell wechselt nicht, es wächst einfach immer weiter und verfilzt dafür umso schneller; die passende Routine steht im Guide zur Fellpflege bei Pudel, Maltipoo und Co.. Und falls du beim Bürsten auf feste Filzplatten stößt: trocken entfernen, vor dem nächsten Bad, und niemals mit der Schere. Wird Filz nass, zieht er sich zusammen und sitzt danach noch enger an der Haut.
Die gute Nachricht zuerst: Ein Hund, der regelmäßig im See schwimmt, braucht deshalb nicht ständig ein Shampoo-Bad. Zu häufiges Shampoonieren entfettet die Haut und trocknet sie aus. Für die meisten Hunde reicht ein richtiges Bad alle paar Wochen bis Monate, nämlich dann, wenn Geruch oder Verschmutzung es verlangen.
Was im Sommer dagegen fast immer sinnvoll ist: das Abspülen mit klarem Wasser. Salzwasser vom Meer, Chlor aus dem Planschbecken und Algen- oder Bakterienreste aus dem Badesee haben im Fell nichts verloren; sie reizen die Haut und werden beim Putzen abgeleckt. Gartenschlauch oder Dusche, lauwarm, ohne Shampoo, fertig. Worauf du beim Badeausflug selbst achten solltest, Blaualgen und Wasserrute inklusive, steht in unserem Ratgeber zu den Baderegeln am See und Meer.
Wenn es doch ein Shampoo-Bad wird, dann bitte mit Hundeshampoo. Menschenshampoo ist auf unsere deutlich sauerere Haut abgestimmt; Hundehaut liegt mit einem pH-Wert von etwa 6,2 bis 7,5 fast im neutralen Bereich und ist zudem dünner. Ein Produkt für Menschen kann darum die Hautbarriere deines Hundes stören, auch das milde Babyshampoo.

Hand aufs Herz: Nach dem Seetag schüttelt sich der Hund dreimal, der Rest erledigt der Fahrtwind, oder? Genau hier entsteht eines der häufigsten Sommer-Hautprobleme. In dichtem Fell hält sich Feuchtigkeit stundenlang, und ein feuchtwarmes Milieu direkt an der Haut ist die ideale Startbedingung für einen Hot Spot, eine schmerzhafte, nässende Hautentzündung, die innerhalb weniger Stunden von münzgroß auf handtellergroß wachsen kann. Wie du sie erkennst und was dann zu passieren hat, liest du im Ratgeber zum Hot Spot beim Hund.
Die Vorbeugung ist unspektakulär: gründlich abtrocknen. Mit dem Handtuch kräftig durchrubbeln, besonders an den Stellen, an denen das Fell dicht ist und schlecht Luft bekommt: Achseln, Leisten, Halsfalten, der Bereich um die Ohren, bei flauschigen Hunden auch die Hose an den Hinterläufen. Wer einen Föhn nutzt, bleibt auf niedriger oder kalter Stufe und hält Abstand, denn Hundehaut verbrennt schneller als unsere. An warmen Tagen darf der Rest an der Luft passieren, solange die kritischen dichten Stellen schon handtuchtrocken sind.

Wasser im Gehörgang ist einer der klassischen Wegbereiter für eine Außenohrentzündung, die Otitis externa. Im feuchtwarmen, schlecht belüfteten Gehörgang vermehren sich Hefen und Bakterien deutlich leichter; Hunde mit Schlappohren oder stark behaarten Gehörgängen trifft es besonders oft, weil unter der Ohrklappe kaum Luft zirkuliert.
Die Routine dafür ist bewusst simpel. Nach jedem Schwimmtag: Ohrmuschel anheben, mit einem weichen Tuch oder Kosmetikpad die Innenseite der Klappe und den sichtbaren Eingangsbereich trocknen, einmal schnuppern und schauen. Gesunde Ohren sind blassrosa und riechen nach wenig. Süßlicher oder hefiger Geruch, Rötung, braunes Sekret, Schiefhalten des Kopfes oder auffälliges Kratzen sind Gründe für einen Tierarztbesuch, keine Fälle für Hausmittel. Was hinter juckenden Ohren stecken kann und warum es längst nicht immer eine Allergie ist, erklärt unser Ratgeber zu juckenden Ohren beim Hund.
Und weil es so wichtig ist, in aller Deutlichkeit: Verwende niemals Wattestäbchen im Gehörgang deines Hundes. Sie schieben Sekret tiefer hinein und können das Trommelfell verletzen.
Sommerböden sind für Pfoten anstrengend: aufgeheizter Asphalt, heißer Sand, trockene Stoppelwiesen. Die Grundregel für heiße Beläge kennst du vielleicht schon aus unserem Pfotenschutz-Ratgeber: Hältst du deinen Handrücken nicht sieben Sekunden schmerzfrei auf den Boden, ist er auch für Hundepfoten zu heiß.
Für die Pflege-Routine heißt das: nach dem Spaziergang einmal kurz die Pfoten durchsehen. Zwischen den Zehen können sich Grannen festsetzen, die spitzen Grashalm-Samen, die sich durch die Haut bohren können; ständiges Lecken an einer Pfote ist hier das typische Warnzeichen. Trockene, rissige Ballen dürfen abends eine Portion Ballenbalsam bekommen, denn geschmeidige Ballen stecken Hitze und rauen Boden besser weg.
Bei den Krallen arbeitet der Sommer übrigens für dich: Viel Bewegung auf hartem Boden schleift sie auf natürliche Weise ab. Verlassen kannst du dich darauf nicht, gerade bei leichten Hunden und Wiesengängern wächst trotzdem mehr nach, als sich abreibt. Der Klick-Test auf dem Küchenboden verrät es dir; die komplette Anleitung samt Technik für dunkle Krallen steht im Ratgeber zum Krallen schneiden beim Hund.
Die tägliche Bürsten- und Kuschelrunde hat im Sommer einen zweiten Job: Sie ist dein Frühwarnsystem. Beim Streichen durchs Fell fallen Zecken, kahle Stellen, Krusten und kleine orangefarbene Pünktchen an Pfoten und Bauch auf, bevor daraus ein größeres Thema wird.
Zum Thema Zecken empfiehlt die europäische Parasitologen-Vereinigung ESCCAP in der warmen Saison eine tägliche Kontrolle, mit einem wichtigen Zusatz: Der tägliche Zecken-Check ersetzt kein Zeckenschutzmittel, er ergänzt es. Denn eine Zecke wird oft erst nach Stunden oder Tagen gefunden, und bis dahin kann sie bereits Erreger übertragen haben. Abgetastet werden die Lieblingsstellen: Kopf, Ohren, Hals, Achseln, Leisten und Zehenzwischenräume. Sitzt eine fest, hilft die Anleitung zum Zecken entfernen beim Hund. Juckt es deinen Hund vor allem an Pfoten und Bauch und findest du dort orangefarbenen Staub, lohnt der Blick in den Ratgeber zu Grasmilben beim Hund.
Beim Bürsten hast du automatisch im Blick, wo dein Hund wenig Fell trägt: Nasenrücken, Ohrspitzen, Bauch, und alle Stellen, an denen geschoren wurde. Genau dort können Hunde einen Sonnenbrand bekommen, besonders Tiere mit hellem oder dünnem Fell und rosafarbener Haut. Für ausgiebige Sonnentage gibt es Sonnenschutz speziell für Hunde; welche Stellen gefährdet sind, welche Produkte geeignet sind und wann Rötungen zum Tierarzt gehören, liest du im Ratgeber zum Sonnenbrand beim Hund. Er ist auch der Grund, warum frisch geschorene Hunde im Hochsommer Schatten-Fans werden sollten.
Damit aus all dem eine Gewohnheit wird, hier die komplette Sommer-Routine nach dem Bade- oder Wandertag, in der Reihenfolge, die sich in der Praxis bewährt:
Eingespielt dauert das Ganze keine zehn Minuten, und die meisten Hunde halten es für eine verlängerte Streicheleinheit. Falls du dir den Rhythmus nicht merken willst: In der Souldog-App kannst du dir für die Pflege-Checks eine Erinnerung anlegen, dann bleibt die Routine auch im Urlaubstrubel bestehen.
Sommerpflege ist keine Wissenschaft, sondern eine Handvoll kleiner Gewohnheiten: bürsten, spülen, trocknen, schauen. Dein Hund bekommt dabei Streicheleinheiten mit System, und du entdeckst Dinge, solange sie noch klein sind: die Zecke, bevor sie sich festsaugt, und die feuchte Stelle im Fell, bevor sie zum Hot Spot wird.
Wie die große Pflege-Session daheim mit allen sieben Stationen aussieht, liest du im Guide zur Hundepflege zu Hause. Und für alles, was der Sommer sonst noch bereithält, steht der große Überblick zu den Gefahren für Hunde im Sommer bereit. Jetzt aber: ab an den See. Das Handtuch liegt ja bereit.